Jul 232013
 

Erinnert ihr euch noch an meinen Artikel, den ich vor über einem Jahr zu einem EuGH Urteil in Bezug zum Verkauf von gebrauchten Softwarelizenzen veröffentlicht hatte? Zwar ging es dabei in erster Linie um den Weiterverkauf von Windowslizenzen. Doch ließ sich das Urteil auch auf das verwendete Lizenzmodell von Steam übertragen. So schien es im Bereich des Möglichen, dass rechtlicher Druck ausgeübt werden könnte, um Valve dazu zu bringen, wenigstens die Zwangsaktivierung und Accountbindung von Retailspielen zu überdenken. Und genau das tat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im September 2012 erst per Abmahnung und Beginn dieses Jahres dann auch mit einer Klage.

Zudem hat der Bundesgerichtshof am 18.07.2013 das EuGH Urteil zum Verkauf gebrauchter Software bestätigt und damit für eine neue Rechtslage gesorgt. Valves Lizenzmodell stütze sich bisher auf ein nun überholtes Urteil des OLG München aus 2008. Doch gerührt hat sich von Valve so richtig niemand und habe man auch keine Abmahnung erhalten. Deshalb erwägt der vzbv nun auf Basis der aktuellen Rechtslage bis Ende dieses Jahres eine gerichtliche Klärung herbeizuführen. Für uns Spieler innerhalb der EU bedeutet das in erster Linie, dass Valve gerichtlich verpflichtet werden könnte, die Accountbindung von Spielen zu lockern und einen Weiterverkauf von sowohl über Steam aktivierten Retailspielen, aber auch von digital erworbener Software zu ermöglichen.

Technisch stellt das aus meiner Sicht kein größeres Problem dar. Schon länger ist die Gift-Option bei Steam vorhanden. Nicht aktivierte Spiele sind mit dieser Funktion an andere Steamnnutzer verschenkbar. Besitzt ihr zum Beispiel bereits Half Life 2, kauft euch aber die Orange Box, in der ja Half Life 2 ebenfalls enthalten ist, so lässt sich die überschüssige Lizenz an einen Freund verschenken. Außerdem ging die Meldung um, dass Valve Pläne in der Schublade hat eine Verleihfunktion auf Steam einzuführen. Wenn eine wie auch immer geartete, zeitlich begrenzte Übertragung einer Lizenz möglich ist, dann sollte eine permanente Übertragung mit ziemlicher Sicherheit machbar sein.

Es geht weiter und es sieht für uns gar nicht so schlecht aus. Und nun noch eine platte Parole hinterher: Die Spiele gehören uns!

Wer nicht warten kann, dem lege ich schon jetzt gog.com ans Herz. Denn, auch wenn Valve tatsächlich gezwungen werden sollte in der EU auf einen großen Teil seiner Gängelungen zu verzichten, es bleiben immer noch die restlichen DRM-Maßnahmen bestehen. So wird das aktivierte Spiel nach wie vor fest an einen Account gekoppelt sein und müsste dann, wie auch immer es dann technisch umgesetzt wird, an einen anderen Account übertragen werden. Ich kann mir zudem nicht vorstellen, dass Valve eine permanente Lizenzübertragung, wenn sie gerichtlich auferlegt wird, so einfach wie möglich gestaltet. Natürlich bleibt auch das altbekannte Worst-Case-Szenario bestehen: Sollte Valve und damit Steam wirklich mal dahingehen, besteht auch weiterhin die Gefahr, dass sogar auf Disc erworbene Spiele nicht mehr spielbar sein könnten.

Dennoch, auch wenn Valve zum Glück gezwungen werden muss, es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn auch UPlay und Origin müssten nachziehen und im Gegensatz zu Steam sollte sich für Ubisoft und EA spätestens dann die Frage stellen, ob ihre DRM-Systeme überhaupt noch einen Sinn ergeben. Tun sie jetzt eigentlich auch nicht, nur es wäre offensichtlicher.

(via PC Welt)