Sep 302013
 

Ich habe mir mal die Demos von vier 2D-Platformern angeschaut, die vor kurzem bei Greenlight auf Steam durchgewunken bzw. gekickstarted wurden. Alle vier sehen auf den Screenshots wunderschön aus – der primäre Grund, warum ich auf sie aufmerksam wurde – mit einer jeweils sehr anderen, ganz eigenen optischen Gestaltung. Ob der Inhalt mit dem Look mithalten kann, habe ich mir in den verfügbaren Demos angeschaut.

Legend of Iya

Der erste Vertreter erinnert mich vom Stil an diverse Amiga-Titel. Auf der erfolgreichen Kickstarter-Seite gibt es viel für’s Auge. Diese Art der Pixelgrafik gefällt mir aussergewöhnlich gut, weshalb Legend of Iya optisch schon mal mein Favorit des Viererpacks ist. Aufgrund der großen Zahl der vorhandenen Assets könnte der Eindruck entstehen, das Projekt sei schon recht weit vorangeschritten. Fakt ist aber, dass es sich bisher um eine Ein-Mann-Projekt handelt und der Macher DarkFalzX primär ein Grafiker ist.

Das merkt man der frühen Demo leider auch an. Dafür, dass das Projekt dem Herrn DarkFalzX angeblich schon so viele Jahre im Kopf herumspukt, spielt sie sich erschreckend belanglos. Wie der Kickstarter aufgrund dieser Version auf über 75.000 Dollar gekommen war, ist mir schleierhaft. Höchst wahrscheinlich haben die wenigsten die Demo wirklich gespielt? Sollte bei einem Spiel nicht vielleicht doch das Gameplay statt der Grafik im Vodergrund stehen?

Die Veröffentlichung ist ja noch in weiter Ferne und wenn das erwirtschaftete Geld in die richtigen Bereiche investiert wird, kann sich da noch eine Menge tun. Besonders erbaulich ist das bisher Gezeigte aber nicht.

Chasm

Ebenfalls Pixelgrafik, aber ein komplett anderer Stil. Auch ein erfolgreicher Kickstarter, allerdings mit mehr als dem Doppelten Erlös als bei Legend of Iya (satte 192.000 Dollar). Eine ziemlich astronomische Summe, für was auf den ersten Blick nach einem eher überschaubaren Projekt aussieht. Auf alle Fälle sehr viel Geld für den kleinen Entwickler Discord Games, der bisher lediglich zwei Spiele für die Xbox Live Indie Games (mit späteren PC-Portierungen) vorweisen kann. Die Stretch Goals grenzen aber schon an Größenwahn…

Das Gameplay spielt schon mal in einer anderen Liga als Iya. Wir starten in einem Dorf, können mit diversen NPCs sprechen und sehen, dass es Dinge zu kaufen und verkaufen gibt. Ein Inventar und Erfahrungspunkte versprechen Rollenspiel-Elemente. Wir werden zunächst gebeten, ein Waffe ausfindig zu machen, worauf wir den Schlüssel zur Tür des namensgebenden Chasm erhalten. Die Dungeons in dieser Schlucht werden zufällig generiert und bieten die handelsüblichen Monster und Schätze.

Natürlich gäbe es etliche Punkte, über die ich an dieser Stelle meckern könnte. Tatsache ist aber, dass Chasm als Proof of Concept funktioniert und Potential aufzeigt. Die Steuerung ist griffig und absolut jeder Gegner lässt sich mit dem richtigen Timing ohne Energieverlust töten (ja, auch die auf den ersten Blick extrem nervigen Fledermäuse). Der Weg zum Knaller ist sicher noch lang, aber Spaß macht’s schon jetzt.

Teslagrad

Wie jetzt, keine Pixelgrafik? Was ist denn jetzt los? Teslagrad wollte (bisher) noch keinen Vorschuss, hat den Sprung auf Steam aber schon geschafft. Auch hier macht die Optik auf den regunglosen Bildern einen sehr schönen Eindruck, die Demo hat mir aber überhaupt nicht gefallen. Das typische Laufen und Springen eines Platformers wurde mit einer magnetischen Komponenten angereichert. Rote und blaue Pole (Portal?) stoßen sich gegenseitig ab, worauf alle Rätsel basieren. Das Leveldesign hat mir nicht zugesagt und viele der Lösungen sind nur per Zufall entstanden. Wir können an dieser Stelle gerne über meine Unfähigkeit diskutieren.

Die Art und Weise, wie die Rätsel präsentiert werden, ist mir zu verwirrend und das Ambiente zu düster. Ich will Blumen und grüne Wiesen und Sonnenschein! Die Mechanik mit der Teleportation aus dem Trailer habe ich bisher nicht entdeckt (siehe Unfähigkeit weiter oben), aber die würde meine Meinung auch nicht mehr positiv beeinflussen.

Freedom Planet

Ein kurzer Blick auf den Anfang des Video unten sollte genügen, um die Vorlage für diesen Titel herauszufinden. Offensichtlicher geht’s ja wohl kaum noch. Wir sind wieder im Reich der Pixel angelangt, auch bei Freedom Planet gibt es wieder einen erfolgreichen Kickstarter und grüngeleuchtet wurde es auch schon. Von den hier vorgestellten ist es das am weitesten forgeschrittene Projekt. Die öffentliche Demo enthält ein riesiges Level (Spieldauer zwischen zehn und zwanzig Minuten) und eine Reihe Herausforderungen (18 an der Zahl). Backer dürfen sich bereits an einer Alpha mit weitaus größerem Umfang versuchen.

Spielerisch wird sich nicht nur bei Sonic the Hedgehog bedient, auch andere Elemente wie ein Wandsprung sind mit von der Partie. Die Geschwindigkeit ist zwar flott, aber nicht ganz so schnell wie beim blauen Igel. Dafür darf erheblich mehr gehüpft und entdeckt werden, was mir persönlich sehr gut gefällt. Das „Dragon Vally“-Areal der Demo – welches laut der Entwickler das kleinste im spiel sein soll – bietet viele unterschiedliche Wege und sogar mit dem Motorrad ist man unterwegs!

Es ist richtig interessant die Mechanik von Sonic auf eine leicht andere Art und Weise interpretiert und mit anderen Elementen vermischt zu sehen. Besonders deutlich wird das in den Herausforderungen, in welchen die Entwickler einige besonders witzige Ideen umgesetzt haben. Wer mit den „offiziellen“ Titeln in der neuerlichen Zeit nicht so viel Spaß hatte, wird vielleicht mit dieser Fan-Interpretation glücklich?