Nov 062016
 
Auf meinem Weg zum gefährlichste Busfahrer der Galaxis!
Auf meinem Weg zum gefährlichste Busfahrer der Galaxis!

Wir schreiben das Jahr 1984. Der junge Jörg (sieben Jahre) hat noch kein Interesse, weil keine Ahnung von der digitalen Unterhaltung, die in der Welt um ihn herum Form annimmt. Auch die Computerspiele stecken noch in den Kinderschuhen, aber der erste große Boom ist bereist in vollem Gange. Ein Großteil der veröffentlichen Programme steckt noch sowohl in der zweiten Dimension, als auch in engen Designkonventionen fest (Punkte, klar abgesteckte Ziele, Leben usw.). Nur hier und da tauchen vereinzelt krude Vorstöße in die dritte Dimension auf.

Zwei Entwickler aus England – Ian Bell und David Braben – damals noch ohne eigene Firma, wollen das Spiel programmieren, das sie gerne spielen möchten und werkeln schlussendlich nahezu drei Jahre daran. Dieses Spiel sollte revolutionär und wegweisend werden. Am 20. September 1984 erscheint Elite für den englischen Computer BBC Micro, von dem sicher die wenigsten (mir inklusive) bisher etwas gehört haben. Nicht nur die Grafik war für damalige Verhältnisse ein absolutes Novum, auch die Freiheit die der Spieler genoss – eine riesige Galaxie mit 8×256 Planeten, die frei beflogen werden konnte – sorgte für ordentliches Staunen und massive Verkaufszahlen.

Das folgende Video zeigt die aller erste Version in Bewegung und gibt einige interessante Hintergrundinfos.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Tatsache, dass bereits in diesem frühen Titel das Universum prozedural generiert wurde, eine Technik die heute (wieder) in aller Munde ist und ohne die ein derart großes Spiel auf dieser limitierten Hardware nicht möglich gewesen wäre. Aufgrund des großen Erfolgs erschienen in den darauffolgenden Jahren Versionen für so ziemlich jeden populären Heimcomputer und sogar das NES!

Eine informative Seite zum Ur-Elite (von Ian Bell höchstpersönlich) möchte ich euch noch an’s Herz legen.

Per Cobra durch die Galaxis

Mein erster Kontakt mit dem Spiel sollte erst viele Jahre später folgen, irgendwann (ca. 1992) landete die Amiga-Version in meinem Laufwerk. Auf dem Titelbildschirm verbrachte ich sehr viel Zeit (wahrscheinlich mehr als im Spiel selber), nur um die Musik zu genießen! Das eigentliche Spiel hinterließ dann leider weit weniger Spuren in meinem Kortex. Das lag zum einen an den extrem schweren Landungsmanövern, die man an den rotierenden Raumstationen zu absolvieren hatte, die für mich nicht zu meistern waren. Zum anderen an der nicht vorhandenen Anleitung, die zum Spielen wahrscheinlich unabdingbar war.

Von der prinzipiellen Idee bin ich nach wie vor absolut begeistert und ich ärgere mich auch über mich selbst, dass ich es nie wieder ernsthaft probiert habe (auch nicht in den beiden Fortsetzungen). In meinem Kopf existiert Elite als dieses mystische Überspiel, in dem ich mich vollends verlieren und tun und lassen kann, was ich will. Dieses nagende Gefühl der verpassten Chancen motivierte mich nun auch dazu, endlich einmal in das von Braben und Bell generierten Universum vollständig einzutauchen. Diese Beiträge sollen als Logbuch eines absoluten Noobs in dieser riesigen und vermutlich erbarmungslosen Parallelwelt dienen (auch wenn wahrscheinlich niemand mitlesen wird).

Ich werde versuchen mich zunächst ohne jegliches Hintergrundwissen und externe Hilfe, alleine durch die Ingame-Tutorials, durch die Galaxie zu schlagen. Gespielt wird auf der Xbox One, die an einem 42″ Plasma TV und an einer Dolby Digital-Anlage angeschlossen ist.

Computerlogbuch Nummer 1 der [Sidewinder], Sternenzeit [Akademie]

Andere Spiele lassen gar keine Einstellungen zu und andere alle. Dazwischen gibt's wohl nix.
Andere Spiele lassen gar keine Einstellungen zu und andere alle. Dazwischen gibt's wohl nix.

Der erste Weg führt mich – wie bei jedem Spiel – zunächst einmal in die Optionen. Unter dem Punkt „Controller“ muss ich dann aber passen. Was hier alles angeboten wird, ist mir momentan noch ein großes Rätsel. Also lasse ich alles so, wie es ist und vertraue darauf, dass die Entwickler einen guten Job gemacht haben. Aber gut zu wissen, dass wirklich jeder Furz um- bzw. eingestellt werden kann.

Bevor es auf zur großen Entdeckungstour geht, steht natürlich das ausführliche Training auf dem Programm.

Die zwei unteren Punkte sind erst in den neueren Updates dazugekommen.
Die zwei unteren Punkte sind erst in den neueren Updates dazugekommen.

Sieben Punkte gilt es also abzuarbeiten, ich freu‘ mich besonders auf „Mining“ und „SRV Training“ (das muss wohl das Planetenfahrzeug sein). Weniger erfreut bin ich darüber, dass es gleich zwei Tutorials zum Thema „Combat“ gibt. Aber es hilft ja nix. Also dann, steigen wir ein ins Cockpit. Der erste Blick der sich mir offenbart ist dieser hier:

Dunkel war's, irgendwas in der Ferne schien helle...
Dunkel war's, irgendwas in der Ferne schien helle...

Eigentlich ganz schön, aber der Controller reagiert auf keine Eingabe. Was ist denn los? Geduld ist die Mutter… eine freundliche Stimme erklärt die Situation und kurz drauf gehen die Lichter an. Nach und nach werden Funktionen freigeschaltet und ich darf mich in sechs Richtungen frei bewegen. Klappt auf Anhieb sofort ohne größere Probleme. Klar, ich bin ja generell Videospiele-Veteran und Descent erprobt, wenn ich das auch mit Maus und Tastatur gespielt habe damals.

Alles so schön neon-orange hier. Gefällt mir super!
Alles so schön neon-orange hier. Gefällt mir super!

Schießen darf man noch nicht, will ich aber auch gar nicht. Ich will Händler werden! Oder interstellarer Busfahrer. Oder kleine Stücke aus großen Felsen herausbrechen und verkaufen (naja, warten wir erstmal das Tutorial dazu ab). Und natürlich entdecken. Gaaaanz viel entdecken! Also erkunden. Aber bevor es soweit kommt, muss ich erstmal wohlbehalten aus dieser Raumstation heraus-, zu einer anderen hinfliegen und dann noch sicher landen. Garantiert kein Problem. Ich bin ja Videospiele-Veteran.

Hach, schon schön hier... Jaaa, ist ja gut. Ich starte ja schon. *nerv*
Hach, schon schön hier... Jaaa, ist ja gut. Ich starte ja schon. *nerv*

Okay, die sechsfache Bewegungsfreiheit beherrsche ich nun ja, also sollte es ein Leichtes sein aus diesem Dock zu entkommen. Aber hey, warum machen die die Zufahrt so schmal? Fast die Rübe angestoßen beim rausfliegen. Wäre das Schiff nur ein wenig höher, hätte es geknallt. Aber es ging alles gut und ich bin draußen. Viel zu sehen gibt’s erstmal nicht. Ich soll einen Kurs einloggen, aber habe natürlich nicht zugehört, wohin genau. Also erstmal wild alle Tastenkombinationen durchprobieren bis ich das Log finde. Ahja, da steht’s ja. Okay. Also es gibt einen Supercruise-Mode (KITT ruft aus der Küche: „Ey, das ja voll von meinem Super-Pursuit-Mode geklaut!“), mit dem man innerhalb eines Systems schneller Distanzen überwinden kann.

Anschalten geht noch ganz leicht, einfach in die Richtung des Ziels schauen und Knopp drücken. Weeee, ordentlich Schub nach vorne achieved! Dann noch einen Hypersprung und aaaaaahhhhhh, direkt vor einer Sonne rausgekommen!! WTF?? KRUZITÜRKEN! Die freundliche Tutorial-Stimme weist mich freundlich darauf hin, dass ich doch bitte ausweichen möge und ich komme diesem Wunsch nach. Nichts leichter als das. Nix passiert. Die Pfütze war schon vorher da.

Dann sehe ich das Ziel in weiter Ferne und halte genau drauf zu. Ich fliege ein Stück, die Stimme empfiehlt „Jetzt langsamer werden.“, ich gehorche aber wohl zu langsam, denn Schwupps! Vorbeigeflogen. „Kein Problem, einfach umdrehen und zurückfliegen.“ Ja, danke. Da wär‘ ich jetzt nicht drauf gekommen. Dieser Supercruise-Mode ist auf höchster Stufe verteufelt schnell, wie sich herausstellt. Also versuche ich mit all meinem Unwissen den nächsten Anflug besser zu gestalten und Schwuppdiwupp! Schon wieder vorbei. JA ZEFIX!

Jetzt reicht’s, auch wenn es ewig dauert, ich nähere mich jetzt gaaaaaanz laaaangsam. Gesagt, getan. Nach nur wenigen Minuten soll ich nun den Cruise-Mode ausschalten. WIE DENN?? Och nein, jetzt hab ich mir so viel Mühe gegeben und fliege jetzt schon wieder vorbei? Panik macht sich breit. Wie, was? Einfach Ypsilon drücken? OKAY! Ruckeldischwuppeldi! Wam bam, thank you sir! Endlich erstrahlt die Raumstation in vollem Glanz vor mir. Puuh, das war jetzt eine schwere Geburt.

In der Mitte links sieht man die Raumstation, wie sie früher aussah. Echt süßes Detail!
In der Mitte links sieht man die Raumstation, wie sie früher aussah. Echt süßes Detail!

Und jetzt wieder durch diese enge Öffnung, DIE SICH BESTÄNDIG DREHT, hindurchfliegen? Stellt sich heraus, das ist gar nicht sooo schwer. Knapp wars aber trotzdem. Viel schwerer war es dagegen, das Schiff korrekt auf dem Landedock aufzusetzen. Gottverdammt hat das lange gedauert und war das nervig. Ich bin einfach unfähig! Aber naja, geschafft ist geschafft. Dann gehts zurück zum Auswahlmenü und ich stelle fest, dass es zu jedem Punkt mindesten ein Video gibt, dass man sich anschauen kann. Das wäre VOR dieser Tortur vielleicht ganz hilfreich gewesen. Also schaue ich mir rückwirkend etwa 15 Minuten Filmchen an und staune nicht schlecht.

Das HUD spukt beim Anflug im Hyperhyper-Modus eine Reihe nützlicher Hilfen aus. Das sieht ja super einfach aus, so wie der das da macht! Das muss ich nochmal probieren, das „Docking and Travel“-Tutorial. Und siehe da! Ich weiß gar nicht, wieso ich mich vorher so angestellt habe. Nach knappen vier Minuten ist die Mission geschafft, ohne einen Zwischenfall. Sogar das Landen im Dock klappt auf Anhieb, aufgrund der neuerlich erworbenen Informationen (linker Stick schaltet was um, was man gut fürs docken gebrauchen kann, who knew?). Ja, so macht das tatsächlich Spaß! Ich bin halt doch ein Videospiel-Veteran der ersten Stunde.

Weiter gehts mit ballern. Aber erst in der nächsten Episode.