Nov 082016
 
Für einige nur ein unscheinbarer Fleck am Horizont. Für mich so viel mehr.
Für einige nur ein unscheinbarer Fleck am Horizont. Für mich so viel mehr.

[Den Anfang verpasst? Hier gehts entlang.]

Aaaah, Bhotho (hab‘ ich das richtig ausgesprochen?). Nur noch ein Sprung bis zum Ziel all‘ meiner Träume. Die Reise zu dir war beschwerlicher als erwartet. Fast wäre ich auf dem Weg draufgegangen. Doch jetzt warten unergründliche Reichtümer, Osmium in Hülle und Fülle! Wobei, mehr als vier Einheiten passen eh nicht in den Stauraum. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie viel Geduld die Mission mir abverlangen und wie gefährlich der Rückweg sein würde. Insgesamt war die erste größere Mission (erst die dritte insgesamt!) an Spannung und Abwechslung kaum zu überbieten. Doch fangen wir ganz von vorne an.

Die überaus ergiebige Mission von der ich sprach? Doof wie ich bin ging ich davon aus, dass ich einfach im gleichen System in den Asteroidengürtel fliegen muss, ein bisschen was Abbaue und dann locker-flockige 70K einsacke. Erst nachdem ich auf „Akzeptieren“ drücke fällt mir ein, mal das Metall „Osmium“ zu suchmaschinen. Aha, gibt es also nicht einfach so, muss man zu einem großen Planeten mit Ringen fliegen. Aber auch nur bei ganz bestimmten findet es sich vor. Der Nächstgelegen ist etwa zehn Hypersprünge entfernt. Kein Problem, denke ich mir. Nachdem die letzte Mission derart mühelos und ertragreich abgelaufen ist, mache ich mir leicht übermütig und erfolgstrunken keine Gedanken und mich auf den Weg.

Tiger im Tank

Immer ein Auge auf den Spritverbrauch springe ich ein paar mal und nachdem noch etwa zwei Hypies im Tank verbleiben, schaue ich mir die Strecke etwas genauer auf der Karte an. Ich könnte im aktuellen System tanken, oder ich hoppel noch zwei Mal und fülle dann auf. Allerdings erkenne ich anhand der Karte nicht, ob an dieser Position Stationen vorhanden sind oder nicht. Und ich war eben in einem System, in dem es keine gab, noch nicht einmal Planeten. Ich riskiere es und bereue es nur kurz drauf bitterlich. Mittlerweile ist es fast vier Uhr morgens, ich wollte schon seit Stunden im Bett sein, kann mich aber einfach nicht losreißen. Ich will diese vermaledeite Mission heute noch schaffen und Mineralien abbauen und Geld scheffeln und überhaupt alles!

Doch das System hat nichts zum Docken und für einen weiteren Sprung will der verbleibende Kraftstoff einfach nicht ausreichen. Ich versuche manuell jedes System in der Nähe, doch ein Hypersprung steht außer Frage. Dann logge ich das Nächstgelegene in den Navigationscomputer ein und halte im Supercruise volle Möhre darauf zu. ETA: über zwei Tage, aber der Tank wird lange vorher leer sein (außerdem kann man so gar nicht zu einem anderen System fliegen, wie ich später erfahre). Es wird immer später, ich immer verzweifelter. Langsam dämmert es mir: ich stecke fest. Ich habe bald keinen verdammten Saft mehr! Also auf in die Suchmaschine, welche Optionen mir bleiben.

Selbstmord. Die einzige Option, wieder zu einer Station zurückzukommen.

Wenn der Tank leer ist, dann war’s das. Es gibt keine Hilfe vom Spiel. Ich will mich damit aber nicht abfinden und stoße auf die Seite der Fuel Rats. Ein Zusammenschluss von Freiwilligen, die dummen Noobs wie mir zu Hilfe kommen und aus der Patsche helfen. Und das soll funktionieren? Heute aber nicht mehr, schon zu spät. Widerwillig schalte ich die Konsole aus und bewege mich ins Bett, mit dem festen Vorsatz, morgen früh als erstes diese Seite auszuprobieren, die ich für eine wahnsinnig tolle Idee halte (und nicht nur, weil ich gerade Leidtragender bin).

Geil!
Geil!

Die Fuel Rats sind professionell organisiert, super zuverlässig und sehr freundlich. Der Pilot in Not gibt ein paar Daten an und sollte sich ein paar Hinweisen auf der Webseite durchlesen. Dann nimmt ihn „Dispatch“ – die Zentrale – unter seine Fittiche. Nur wenige Sekunden später wird einer der Helfer, die wohl auf Stand-by stehen, aktiviert und zum Hilfesuchenden gelotst. Was dann folgt ist eine gefühlt tausendfach erprobte Prozedur.

„Siehst du einen blauen Timer?“
„Nein, alles gut.“
Plötzlich ein Zischen aus meinen Boxen.
„Verdammt, ich habe zu früh geredet. JETZT sehe ich einen blauen Timer.“
„CODE RED! Echtzeit läuft auf Notfall Sauerstoff!“

Der Timer zeigt weniger als fünf Minuten, ich soll jemanden zur Freundesliste hinzufügen und mich ausloggen. Kurz drauf wird noch ein zweiter Pilot zu mir gesendet, doppelt hält wohl besser. Ich rede mit beiden in einer Party, stelle etliche Fragen und werden mit etwas weniger als einer Minuten auf dem Timer aufgetankt. Puh, ganz schön knapp. Alle Systeme reagieren sofort und schalten sich wieder online. ICH KANN WIEDER FLIEGEN! Die gesamte Prozedur hat in meinem Fall etwa eine Stunde gedauert und ich war wirklich freudig überrascht, wie toll die Fuel Rats agieren.

Das Gefühl ob der gelungenen Rettung und der Art und Weise, wie sie zustande kam, ist bewegend. Ich bedanke mich noch etliche Male, wir reden noch eine Weile und eine Ratte begleitet mich sogar noch ein Stück. Dann erhalte ich ein paar wertvolle Tipps zur Navigation, damit mir so ein Dilemma nicht ein zweites Mal passiert. Auf dem Weg nach Bhotho muss ich noch zwei mal den Tank wieder auffüllen, aber dann bin ich endlich – ohne weiteren Zwischenfall – am Ziel.

Der blaue Schimmer um die kleinen Planeten zeigt eine Bodenstation an.
Der blaue Schimmer um die kleinen Planeten zeigt eine Bodenstation an.

Bhotho AB3 hat im Gegensatz zu den anderen Planeten dieser Formation einen inneren Ring. Dieser innere Ring ist metallischer Natur und NUR HIER lässt sich Osmium finden. Wenn man denn ordentlich sucht, wie sich herausstellt. Dazu gleich mehr, zunächst einmal ein paar wunderbare Bilder des Anflugs auf Bhotho AB3:

Das erste Mal, dass ich zu einem Planeten hypercruise.
Das erste Mal, dass ich zu einem Planeten hypercruise.
Der innere Ring aus nächster Nähe, immer noch im Hypercruise. Es gibt mehrer Navigationspunkte an verschiedenen Stellen.
Der innere Ring aus nächster Nähe, immer noch im Hypercruise. Es gibt mehrer Navigationspunkte an verschiedenen Stellen.
Asteroiden so weit das Auge reicht. Die darf ich nun alle der Reihe nach untersuchen!
Asteroiden so weit das Auge reicht. Die darf ich nun alle der Reihe nach untersuchen!

Deppert wie ich bin habe ich nur die minimale Konfiguration an Bord. Es gibt kleine Sonden zum abfeuern, mit denen sich die Zusammensetzung der Brocken aus der Ferne ermitteln lässt. Zum einen hatte ich dafür keinen Platz mehr im Rumpf, zum anderen dachte ich, man könnte vielleicht optisch erkennen, was drinsteckt. Pustekuchen! Die Drecksdinger sehen alle gleich aus, nur die Form unterscheidet sich. Ich musste tatsächlich von einem zum anderen fliegen, anbohren und kucken was rauskommt.

Osmium nicht allzu oft. Und selbst als ich eine Quelle gefunden habe, müssen die Stücke ja noch aufgescoopt werden. Und dabei ist mir einmal der korrekte Asteroid abhanden gekommen, weil ich das Mistding einfach nicht „einfangen“ konnte und dann zu weit weg war, und „meinen“ The Rock nicht mehr wiederfand, weil DIE SEHEN JA ALLE GLEICH AUS! Ein Weiterer war nach wenigen malen anzapfen leer, da kamen einfach keine Brocken Lesnar mehr raus. Aber ich hatte erst drei von vier Osmium-Stücken zusammengeklöppert. Bis ich dann den vierten gefunden hatte, war ich bereits mehrmals kurz vor der Kapitulation. Nach einer Gesamtdauer von etwa 45 Minuten dann aber schließlich:

BAZINGA!
BAZINGA!

Zahltag, ich komme! Vor dem Rückweg graut es mir ein wenig. Der Hinweg war wenig erbaulich und ich werde wohl mindestens drei mal tanken müssen. Alleine der Weg aus dem System heraus war schon extrem beschwerlich. Ich musste dringend Sprit auffüllen und zu einer Station am anderen Ende fliegen und wurde prompt zwei mal aus dem Hypercruise unsanft herausgerissen und attackiert! Ja, dafür existieren Gerätschaften, welche Piraten benutzen. Und wenn das passiert, erschrecke ich immer fürchterlich (WEIL ES SO LAUT IST!). Der erste Pirat fängt direkt das Ballern an, ich probiere ein neues Ausweichmanöver und entkomme knapp ohne Schaden. Beim zweiten mal wehre ich mich.

Wenn dieses Gerät eingesetzt wird, hat man kurz Zeit in einer Art „Minispiel“ dem Unheil zu entkommen. Dazu muss man die eigene Zielmarke mit einem sich ständig bewegenden blauen Kreis in Einklang bringen, was mir einfach nicht gelingen will. Gefühlt vier Minuten probiere ich es verzweifelt, „…du Schwein klaust mir mein hart erarbeitetes Osmium nicht“! Schweißgetränk und adrenalingeladen gelingt mir tatsächlich irgendwann die Flucht, der rettende Starport ist nur wenige Sekunden entfernt. Geschafft!

Pro-Tipp: die durchgezogenen orangene Linie zeigt, wie weit der Tank noch reicht.
Pro-Tipp: die durchgezogenen orangene Linie zeigt, wie weit der Tank noch reicht.

Aufgrund der neuerlich erworbenen Informationen plane ich die Tankstops schon im Voraus. Den Rest der Rückreise bin extrem angespannt. Je später mir noch etwas zustößt, desto ärgerlicher wäre das. So viel Zeit und Arbeit investiert! Vor allem beim Auftanken geht mir die Muffe, was ich insgesamt drei mal machen muss. Jedesmal, wenn ich angedockt bin, schaue ich ob eine Kuriermission auf dem Weg liegt, aber erst kurz vor dem Ziel will eine zur Route passen. Die Credits sind zu vernachlässigen, aber zwei Beförderungen sorgen für große Freude!

Ich bin mostly harmless, mostly pennyless und mostly aimless. Es geht steil nach oben!
Ich bin mostly harmless, mostly pennyless und mostly aimless. Es geht steil nach oben!

Noch ein letzter Sprung und ich bin wieder sicher und unversehrt im heimischen Hafen angedockt. Nun folgt der Moment, der die ganzen Strapazen lohnenswert machen soll. Und wie er folgt! Aus irgend einem Grund zahlt die Mission 110K Credit, weit mehr als ich in Erinnerung hatte. Damit lasse ich den Bergbau hinter mir. Ich wollte es ausprobieren und das habe ich gemacht. Vor allem vom Erfahrungswert hat sich die Reise absolut gelohnt, aber natürlich kann ich mir nun endlich ein besseres Schiff leisten.

Ich hatte die Belohnung wesentlich geringer im Kopf. 170K nach nur zwei Tagen, das hat sich schlussendlich doch ordentlich gelohnt!
Ich hatte die Belohnung wesentlich geringer im Kopf. 170K nach nur zwei Tagen, das hat sich schlussendlich doch ordentlich gelohnt!

Bergbau ertragreich zu betreiben macht nur Sinn, wenn der Prozess größtenteils automatisiert wird und man über genügend Lagerraum verfügt. Vielleicht werde ich das in der Zukunft einmal ausprobieren, aber der nächste Punkt auf der Agenda besagt: Handel treiben.

Handel treiben und genug Geld verdienen, damit ich mir ein schönes Erkundungs-Raumschiff zusammenbauen kann, mit dem ich weit springen und lange fliegen kann, nicht mehr auftanken muss (dafür gibts ein Utensil!), alles scannen UND auf der Planetenoberfläche landen und herumfahren kann. Darauf bin ich ganz besonders scharf.

Schaun mer mal, was in Folge 005 so los sein wird!?